Ein Möbelhaus in der Nähe von Ulm wollte mich dann als Meister, der sowohl im Möbelhaus als auch in der hauseigenen Schreinerei agiert. Aber in der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt, obwohl man viel für die Firma geleistet hat, aber für Dauer wäre das keine Arbeit für mich gewesen, da kam es einerseits ganz recht, dass mich der Chef rausgeworfen hat, andererseits war es blöd, ich hatte ja eine Familie zu ernähren.
Aber da wir aus dem Haus in Donauwörth raus mussten, Umzug nach Weisenhorn, ein Reihenhaus gemietet, die Möbel reingestellt, der Job in Weisenhorn war weg, ich war wieder arbeitslos und auf Stellensuche.
Also wieder Bewerbungen schreiben, und auf einmal wollten mich gleich zwei. Zur Wahl stand der Job an der Plattensäge in einem Baumarkt in Neu-Ulm oder der Job als Technischer Leiter einer größeren Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Stuttgart. Dann eben Stuttgart. 6 Monate pendeln zwischen Stuttgart und Ulm, jeden Tag 3 1/2 Stunden unterwegs zur normalen Arbeitszeit.
Hier entschieden wir uns dann für die Stelle in Stuttgart. Eine interessante Arbeit, abwechslungsreich, relativ freie Zeiteinteilung, gute Bezahlung. Nachdem ich mich dort scheinbar anständig aufgeführt hatte, wurde ich auch nach der Probezeit übernommen. Dies war zum Glück schon länger vor Ende der Probezeit klar und so konnten wir kurz von Weihnachten 2003 in unsere frisch renovierte, von meinem Arbeitgeber vermittelte Wohnung in der Urachstraße einziehen. Ein Weihnachten in einer Wohnung, das an bewohnbaren Räumen ein Wohnzimmer und eine Küche hatte, die anderen Zimmer waren noch eindeutig Einzugszimmer, wobei Paulines Zimmer noch keinen Bodenbelag hatte, dieser war noch nicht geliefert worden, und in Kilians Zimmer hatte sich der Teppich gewellt, da der Bodenbelag zu frisch auf den gespachtelten Boden gelegt wurde. Und im Dezember pünkltich 2 Tage vor Weihnachten zogen wir dann auch in unsere Wohnung im Stuttgarter Osten, ein etwas anderes Weihnachten mit Umzugskisten und nicht aufgestellten Möbeln. Da war es wichtig, dass wir Platz zum Schlafen hatten, das Wohnzimmer einigermaßen ansehnlich und die Küche bereit war, um etwas zu Essen herzustellen.

Trotz der widrigen Umstände war es ein schönes Weihnachten, weg von diesem seltsamen Weißenhorn, angekommen in der Großstadt, mitten in einem Stadtteil, der unterschiedlicher nicht sein konnte. Zwischen der antroposophischen Uhlandshöhe mit den protzigen Villen hinunter in die alte Gasarbeitersiedlung, mit hoher Hartz IV-Dichte, hoher Arbeitslosigkeit, hohem Migrantenanteil … Und als Neu-Stuttgarter wir mittendrin, in einer Erdgeschoßwohnung mit Garten, meine Arbeitsstelle und Julius Kindergarten fußläufig zu erreichen, die Grundschule in Sichtweite, mit der U-Bahn vier Stationen bis zum Hauptbahnhof. Durch meine Arbeit im Kinderzentrum hatte ich das Glück und die Beziehungen, dass die Kinder nicht auf der Warteliste versauerten, sondern ich vorrangig Kita- und Hortplätze für den Nachwuchs bekam.
Eine schöne Wohnung, Erdgeschoß mit Garten, ich konnte zu Fuß zur Arbeit gehen, die Kinder hatten es nicht weit zur Schule und in den Kindergarten, wir fingen an, uns mit Stuttgart auseinanderzusetzen.
Gleich um die Ecke hatte ich dann nach einiger Zeit auch eine Kneipe gefunden, in die ich dann auch regelmäßig ging, das „Landhaus 113“. Dort wurde später auch eine Dartscheibe installiert, die ich dann auch gerne nutzte. Dort traf sich eine bunt gemischte Theken-Clique, in die ich dann auch relativ schnell integriert wurde. Von der Bank-Filialleiterin über den Apple-Techniker über den Makler war da einiges vertreten, und die meisten auch aus dem Stadtteil.
2004 hat das auch mit dem Bookcrossing angefangen, erst zögerlich, wir hatten einen Zeitungsartikel gelesen, uns dafür interessiert und auch angemeldet. In meiner zurückhaltenden Art hatte ich dann auch erst Barbara zu einem der Meetups geschickt, damit sie feststellte, was das denn für Typen waren, die da in Stuttgart Bücher freilassen. Und nach einiger Zeit wagte ich mich dann auch dazu. Ab da waren die monatlichen Treffen, Meetups genannt, feste Punkte im Kalender, auch hier ein bunt durchgewürfelter Haufen, man traf sich in der Kneipe, der sogenannten OBCZ (Offizielle BookCrossingZone), in der auch ein öffentliches Bücherregal gibt.
In der Großstadt angekommen, hatten wir dann auch irgendwann festgestellt, dass unser Auto eigentlich die meiste Zeit vor der tür stand und nicht mehr bewegt wurde. Barbara fuhr mit dem Bus zur Arbeit, die Kinder gingen zu Fuß zur Schule und zur Kita und ich war auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad Richtung Arbeit unterwegs. Also haben wir es abgeschafft, bei Ebay versteigert und uns bei Stadtmobil, dem Stuttgarter Carsharing-Anbieter, angemeldet. Um einmal in der Woche den Großeinkauf für die fünfköpfige Familie nach Hause zu bringen und ab und zu mal einen Ausflug zu machen, braucht man eigentlich kein eigenes Auto in einer Großstadt mit einem gut ausgebauten ÖPNV. Im Endeffekt ist die Sache auch viel günstiger als ein eigenes Auto, und außerdem konnte man so auch immer das Fahrzeug buchen, das man gerade brauchte, mal einen 5-Sitzer, dann einen Kleinwagen, hin und wieder einen Kleinbus oder auch einen Kastenwagen, um größere Sachen zu transportieren.
Und so verging die Zeit, wir gewöhnten uns langsam an das Großstadt-Leben, die Zeit verging, und schon war wieder ein Jahr vergangen und ein neues angebrochen.
Arbeitsamttermine …